Bürgerinitiative gegen eine Giftmüllregion Halle (Saale) e.V.

Ein Giftmülllager in unmittelbarer Nähe von Halle? Bislang nur eine Dystopie, könnte sie jedoch bald zur Realität werden. Für die kleine Gemeinde Angersdorf, süd-westlich an Halle grenzend, gibt es Pläne, eine sogenannte „Dickstoffanlage“ zu errichten. Hierfür soll ein stillgelegtes Bergwerk genutzt werden, welches zur Einlagerung von Giftmüll dienen soll. Gemische aus Filterstäuben, Flüssigkeiten und Bindemittel würden zu sogenanntem Versatzmaterial verarbeitet und anschießend in 700m tiefe, unterirdische Hohlräume gepumpt werden.
Die verantwortliche Betreiberfirma „Grube Teutschenthal Sicherungs GmBH (GTS)“ begründet ihr Vorhaben vor allem mit einem drohenden Gebirgsschlag, weshalb eine Füllung der Hohlräume notwendig sei. Zu dem würde somit gleichzeitig das Problem der Müllentsorgung gelöst werden können. Mögliche Risiken wie Giftstoffe, die in die Umwelt gelangen könnten, sind laut GTS unwahrscheinlich. Und im Falle eines Notfalls würden entsprechende Schutzmechanismen in Kraft treten.
Nachdem im November 2011 das Verwaltungsgericht Halle eine Untersuchung anordnete, bei der zum einen die Nachweisführung geklärt werden, zum anderen das angestrebte Versatzverfahren auf Eignung hin überprüft werden soll, zog die GTS ihren ursprünglichen Antrag zurück, um Mitte 2013 einen neuen einreichen zu können.
Als die Pläne für die Giftmülleinlagerung im Jahr 2010 bekannt worden, zog dies den Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger nach sich. Mehrere kritische Stimmen worden laut, Transparente als Protestsymbole wurden aufgehangen und auch die „Bürgerinitiative gegen eine Giftmüllregion Halle (Saale) e.V.“ gründete sich.
Der Verein sieht es als seine Aufgabe, sich für den Kampf gegen die Errichtung der Dickstoffanlage einzusetzen. Auf der Webpräsenz der Bürgerinitiative werden Informationen zur Verfügung gestellt, die über das umstrittene Vorhaben der GTS aufklären, und die Bürger aufrufen, sich für einen aktiven Protest einzusetzen. Ihre Kritik richtet sich allen voran gegen die Darstellungen der verantwortlichen Betreiberfirma. Das hohe Gefahr- und Risikopotential der Giftmülleinlagerung werde relativiert, indem die jeweiligen Giftstoffe lediglich als Filterstäube und Asche abgetan werden. Hierbei handelt es sich jedoch um „hochgefährliche krebserregende Abfälle“ aus Müllverbrennungsanlagen. Hochgiftige Substanzen wie Dioxine, Arsen, PCP und Quecksilber sind nur schwer abbaubar und Auslöser schlimmster Krankheiten, Krebs- und Missbildungen. Für das Versprechen, dass die eingelagerten Materialien für zehntausend Jahre sicher verfüllt seien, gibt es keine Langzeitstudien, die solche Behauptungen stützen können. Im Falle einer Katastrophe muss von einer nachhaltigen Gefährdung ausgegangen werden. Über 300.000 Menschen können innerhalb kürzester Zeit durch die Winde getragenen Filterstäube kontaminiert werden, was nicht nur gesundheitliche Folgeschäden beinhaltet, sondern auch schwere Umweltbelastungen. Würde Angersdorf einmal als Lager für Giftmüll auserkoren, wäre es eine irreversible Deponie für feinstaubigen Sondermüll auf Ewigkeiten. Dies wiederum führt nicht nur zur einem möglichen Auswandern der Anwohner, sondern verschreckt zugleich Menschen in der Region sesshaft zu werden. Die angedachten Kosten von ca. 100 Millionen Euro (bei einer Laufzeit von 25 Jahren), können auch für alternative Verfahren eingesetzt werden, bei dem ein solch hohes Sicherheitsrisiko nicht gegeben ist. Weiterhin wird angeführt, dass es sich bei der Dickstoffanlage um ein Pilotprojekt handelt, bei dem die Bevölkerung und die Umwelt als Versuchsobjekt dienen, um das angestrebte Verfahren auszuprobieren.
Die Bürgerinitiative spricht sich nicht grundsätzlich gegen eine Füllung der Hohlräume aus, sondern sieht diese sogar als eine Notwendigkeit an. Da hier aber eine hochgradige Wasser- und Laugeneinbruchgefährdung besteht, sollten statt giftiger, ungefährliche Materialien verwendet werden, welche in umliegender Region bereits vorhanden sind. Die Giftmülleinlagerung wäre für die GTS ein profitables, für Bevölkerung und Umwelt aber keineswegs sicheres Unterfangen.

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