STADTMARKETING – am Beispiel der Stadt Halle (Saale)

„Warum London? Halle ist attraktiv.“ So die Aufschrift eines von mehreren Werbe-Plakaten, welche sich in der Stadt Halle (Saale), mit immer anderen Slogans finden lassen.Gegenüberstellungen mit Städten wie Berlin, München, Rom oder Washington (D.C.) an der Kreuzung vor dem Steintor-Varieté. Urheber der Plakate ist der Verein „Pro Halle e.V.“, der sich nach eigener Aussage „zur Aufgabe gemacht [hat], die wirtschaftliche, touristische und kulturelle Entwicklung der Stadt Halle (Saale) zu unterstützen und voranzutreiben“ (Quelle).

Stadtmarketing heißt das Konzept, das auf mehreren Ebenen versucht für vornehmlich wirtschaftliche oder touristische Qualitäten einer Stadt oder einzelner Stadteile zu werben. Das Konzept ist nicht neu, scheint aber in Halle derzeit sehr präsent, denn neben der Plakat-Werbung des Pro Halle e.V., lädt das Stadtmuseum Halle seit dem 12. Mai 2013 zu einer „stadtgeschichtlichen Dauerausstellung mit dem Titel ‚Entdecke Halle!‘“ ein (Quelle). Liest man sich den Beitrag auf der Internetpräsenz der Stadt Halle durch, entsteht auch hier der Eindruck die wirtschaftliche Bedeutung des Standortes hervorheben zu wollen:

„Entlang der Leitfragen „Warum entstand ausgerechnet hier eine Siedlung und wie hat sie sich entwickelt?“, „Welche ‚Exportartikel‘ haben Halle über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht – welche Ideen, aber auch welche Industrieprodukte?“ und „Wie ist die Stadt mit der Welt verbunden?“ hat das Stadtmuseum Halle eine Ausstellung mit rund 500 Exponaten, darunter zahlreichen Modellen, aber auch Medienstationen erarbeitet.“

Diese Fokussierung auf die Standortthematik wirft viele Fragen auf: Ist das überhaupt Stadtmarketing? Falls ja, gibt es weitere Projekte? Wer steht organisatorisch und finanziell hinter diesen Kampagnen und was soll erreicht werden? Wie werden die Projekte umgesetzt? Wie wird darauf reagiert? Und vor allem: Wie deckt sich die Darstellung mit der Realität?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, ist es sinnvoll sich im Rahmen teilnehmender Beobachtungen solcher Projekte anzunehmen, mit relevanten Akteuren zu sprechen und gegebenenfalls öffentliche Reaktionen auszuwerten. In der Praxis bedeutet das, entsprechende Ausstellungen wie z.B. das Stadtmuseum Halle zu besuchen, sich beispielsweise mit den Sponsoren des Pro Halle e.V. auseinanderzusetzen und das mediale Echo dieser Projekte zu analysieren. Am Ende dieser Methoden sollte eine Systematisierung stattfinden, in der deutlich wird, ob eindeutig von Stadtmarketing zu sprechen ist, und falls ja, welche Schwächen oder Stärken dieses Konzept am Beispiel der Stadt Halle aufweist.

Die Relevanz der Thematik ergibt sich nicht allein aus ihrer aktuellen Präsenz. Bei erster Betrachtung der Werbeplakate kamen mir Fragen in den Sinn, die über die funktionalistische Ebene von Marketingstrategien hinausgehen, angefangen bei der Namensgebung des Pro Halle e.V., die an rechtspopulistische Bürgerbewegungen wie Pro Deutschland, Pro Köln, Pro NRW etc. erinnert. Unter diesem Aspekt könnte die Werbung auch einer Identifikation der Bürger und Bürgerinnen mit der Stadt oder Region dienen bzw. die Bildung oder Festigung eines Lokalpatriotismus verfolgen. Die Thematik wird damit noch auf eine gesellschaftspolitische Ebene gehoben, die es erfordert sich auch mit den politischen Verknüpfungen von Stadtmarketing zu befassen. Bester Schnittpunkt zwischen gesellschaftspolitscher und funktionalistischer Ebene werden wahrscheinlich die Organisatoren und Sponsoren der Projekte sein. Nach der Sichtung möglicher weiterer Projekt und konkreter Eingrenzung meiner Untersuchungsgegenstände, möchte ich dennoch mit der teilnehmenden Beobachtung beginnen um das Feld grob zu erfassen. Erst im weiteren Verlauf, werde ich Eingrenzungen vornehmen und mich auf relevante Akteure und Forschungsgegenstände fokussieren.

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